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Nachrichten

Zündeln am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer - Juli 2016

Sumpfohreule im Flug © Gordana und Ralf Kistowski

Fast könnte man denken, das auf der Insel Langeoog für den 24.Juli 2016 geplante Höhenfeuerwerk der Kategorie 4 wenige Meter von der Grenze des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer entfernt, sei ein Geschenk für diesen Nationalpark, der heuer 30 Jahre alt wird. Dass Ende Juli im Wattenmeer noch Vögel brüten, vor allem aber Vögel in großer Zahl dort rasten und auf Ruhe angewiesen sind, scheint die Verantwortlichen der Inselgemeinde nicht zu stören - allen naturschutzrechtlichen Bedenken zum Trotz. Das Großfeuerwerk erreicht Höhen von hundert Meter und mehr und wirkt kilometerweit ins Schutzgebiet hinein. Was dies für Vögel bedeutet, lässt sich auch ohne ornithologisches Spezialwissen ermessen. Die Naturschutzbehörde des hier zuständigen Landkreises Wittmund hält das Feuerwerk für ein "falsches Signal für Region und Insel, die mit ihrer Lage im Weltnaturerbe wirbt".

Langeoog ist passenderweise von der Nationalparkverwaltung als "Nationalparkpartner" ausgezeichnet worden. Der Bürgermeister der Inselgemeinde Langeoog hält bei der Feier "30 Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" im August 2016 den Festvortrag "Vom Feind zum Freund - Rückblick auf die Nationalparkgeschichte aus der Sicht von 'vor Ort'"

Vom Hassobjekt zu Everybody´s Darling mutierte der Nationalpark nicht der klugen Vermittlung oder Einsicht in naturschutzpolitische Erfordernisse oder eines tiefgreifenden Bewusstseinswandels wegen. Jedenfalls nicht nur und wohl am allerwenigstens deswegen. Die Akzeptanz ist erkauft mit einer Vielzahl von Zugeständnissen zugunsten harter Wirtschafts- und alles andere als sanfter Spaßinteressen zulasten des "einmaligen Naturraumes".

Ersatzzahlung für Windenergieanlagen im Bebauungsplan? - Juli 2016

Windpark © Wattenrat Ostfriesland

Die Fachagentur Windenergie an Land hat gerade ein 20seitiges "Hintergrundpapier" (pdf-Datei, ca. 312 KB) zur "Kompensation von Eingriffen in das Landschaftsbild durch Windenergieanlagen im Genehmigungsverfahren und in der Bauleitplanung" veröffentlicht. Darin geht es u. a. um die Frage, ob für Windenergieanlagen, die in einem Bebauungsplan festgesetzt werden, eine Ersatzzahlung für Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes festgelegt werden kann. Die Fachagentur sieht hierfür durchaus eine Perspektive und macht Vorschläge, wie verbleibende rechtliche Risiken vermindert werden können.

Diese Haltung ist insofern bemerkenswert, weil ein Teil der Windenergiewirtschaft gerade dies bezweifelt und eine ganz andere Strategie verfolgt. Dort wird die Möglichkeit der Festlegung einer Ersatzzahlung auf Bebauungsplanebene nämlich bestritten. Die Eingriffsfolgen seien so schwerwiegend, dass eine landschaftsgerechte Neugestaltung des Landschaftsbildes regelmäßig nicht möglich sei (was unbestritten ist), folglich nur die Ersatzzahlung bliebe, diese aber nach dem Baugesetzbuch auf Bebauungsplanebene nicht in Frage käme und folglich zum Schadensausgleich gar nichts zu unternehmen sei. Deshalb drängen Investoren der Branche die Gemeinden, für Windenergieanlagen Bebauungspläne aufzustellen.

Die EGE hat sich seit März 2015 beim Bundesministerium für Umwelt und Bauen um eine Klärung bemüht, wie die Sache rechtlich zu bewerten ist. Trotz mehrfacher Erinnerungen antwortet das Ministerium nicht. Umso interessanter ist das Hintergrundpapier der Fachagentur Windenergie an Land. Das Bundesministerium hat die Erarbeitung dieses Papiers finanziert, wie überhaupt Bundes- und Länderministerien Mitglieder dieser Fachagentur sind. Die Fachagentur ist Teil der Branchenlobby. Immerhin: Das jetzt vorgelegte "Hintergrundpapier" hebt sich in dieser einen Frage positiv von Hardlinern der Branche ab.

Auch deswegen mag man über eine Reihe Detailfehler in diesem Papier leichter hinwegsehen: In Niedersachsen regelt entgegen der Aussage auf S. 6 gerade nicht ein ministerieller Erlass die Berechnung des Ersatzgeldes, sondern nach wie vor eine (von der Branche abgelehnte) Arbeitshilfe des Niedersächsischen Landkreistages. Anders als auf S. 6 dargestellt (und von der Branche vermutlich gewünscht), zieht die Praxis in Ersatzgeldfragen nicht regelmäßig den Entwurf der Bundeskompensationsverordnung heran (dieser führt zu einer besonders niedrigen Ersatzzahlung). Und natürlich geht die Ersatzzahlung nicht an die Gemeinde, sondern an die Naturschutzbehörde. Falsch ist auch, wenn auf S. 13 die Definition naturschutzrechtlicher Ausgleichsmaßnahmen an den Eingriffsort geknüpft wird.

Neues vom Uhu in Rheinland-Pfalz - Juli 2016

Seit ihrer Gründung im Jahr 1977 arbeitet die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e. V. (GNOR) an einer Publikation über die Vogelwelt des Landes. Nach den bereits veröffentlichten Bänden 1 und 2 ist nun auch der dritte der als vier Bände angelegten Avifauna erschienen. Mit 896 Seiten ist dies der bisher umfangreichste und für viele Leser möglicherweise interessanteste Band, enthält er doch die Kapitel über die Greifvögel bis Spechtvögel, also auch die Eulen. Band 3 schließt die Gruppe der Nicht-Singvögel ab.

94 der 896 Seiten gelten den zehn in Rheinland-Pfalz nachgewiesenen Eulenarten sowie der Schneeeule; auf den Uhu entfallen allein 28 Seiten. Das Kapital über den Uhu stammt von Dr. Christian Dietzen und den beiden EGE-Mitarbeitern Stefan Brücher und Dr. Lutz Dalbeck. Es enthält u. a. eine Darstellung der ehemaligen Brutverbreitung der Art bis 1973 sowie Angaben zu Zahl und Herkunft der im Rahmen der Wiederansiedlung freigesetzten Uhus. In das Kapitel sind die Daten eingeflossen, die die EGE bis heute über den Uhu in Rheinland-Pfalz gewonnen hat. Damit ist erstmals ein großer Teil der Daten des 40jährigen Uhu-Monitorings der EGE wissenschaftlich ausgewertet und veröffentlicht. Ebenfalls Eingang in das Kapitel fanden die per Webcam protokollierten Beuteeinträge und Beobachtungen des Fütterungsverhaltens an einem Uhubrutplatz in der Ahreifel.

Das Kapitel präsentiert das aktuell verfügbare Wissen über den Uhu in Rheinland-Pfalz, wo die Art nach dem dramatischen Rückgang nach 1850 und dem Erlöschen in der frühen 1970er Jahren heute wieder mit 290 bis 400 Brutpaaren vertreten ist. So positiv die Bestandentwicklung bisher verlaufen ist, die Autoren weisen zu Recht auf zahlreiche Gefährdungsursachen hin: Mittelspannungsmasten, Straßenverkehr, Hubschraubereinsätze im Weinbau, Klettersport, Geocaching und Windenergieanlagen beispielsweise - Gefährdungsursachen, die die EGE immer wieder thematisiert und einzugrenzen bemüht ist.

Die bisher erschienenen drei Bände finden in der Fachwelt ein uneingeschränkt positives Echo. Und natürlich ist das Werk nicht nur der Darstellungen zu Eulen und Uhu wegen beachtlich. Mit Band 4, der noch in diesem Jahr erscheinen soll, werden alle verfügbaren Daten zu den ca. 370 in Rheinland-Pfalz nachgewiesenen Vogelarten mit Informationen zu Verbreitung, Lebensraum, Häufigkeit, Bestandsentwicklungen, jahreszeitlichem Auftreten und Biologie übersichtlich und mit farbigen Karten, Grafiken und Diagrammen präsentiert sein. In das ca. 3.000 Seiten und ca. 1.200 Fotos umfassende Werk eingeflossen sind neben einer halben Million Zufallsbeobachtungen die systematisch erhobenen Daten verschiedener Monitoringprojekte schwerpunktmäßig für den Zeitraum 1950 bis 2010. Die Auswertung von über 4.000 Literaturquellen inklusive historischer Arbeiten ab dem 19. Jahrhundert vervollständigt das Bild.

Ob das gewichtige Werk seinen Zweck erreicht, zum Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume beizutragen, liegt in der Hand von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit und nicht zuletzt der Naturschutzvereinigungen, denen die Ornithologen des Landes dafür die notwendigen avifaunistischen Informationen bereitgestellt haben.

Klicken Sie bitte hier, wenn Sie sich über das Werk informieren möchten.

Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 11,1 MB), wenn Sie das Artkapitel Uhu lesen möchten.

Grüne Gewissheiten - Juli 2016

Junge Waldohreule © Gordana und Ralf Kistowski

Der Sommer ist heuer - eigentlich wie immer - nämlich nicht so wie im Bilderbuch. Zu wenig Sonne. Zu viel Regen. Schaut man sich Datenreihen seit Beginn der Wetteraufzeichnung an, ist es ein ganz normaler Sommer. Die letzten Unwetter und Überschwemmungen schlagen statistisch nicht über die Stränge. Gleichwohl wird niemand den Einfluss menschlicher Aktivitäten auf das Klima (zumal der in historischer Zeit begonnenen und anhaltenden dramatischen Entwaldung vieler Gegenden der Erde) bestreiten. Die in Deutschland örtlichen Überschwemmungen mit katastrophalen Folgen sind allerdings nicht selten auch ein Resultat fehlgeplanter Neubaugebiete im Überschwemmungsraum der Fließgewässer sowie eine Landnutzung in ihren Oberläufen, die Niederschlagswasser nicht aufhält, sondern ungebremst und in kürzester Zeit in den nächsten Vorfluter jagt.

Gefühlt liegen die Dinge jedoch vollkommen anders. Jedenfalls für die Osnabrücker Kreistagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen. "Immer wieder Blitze, Donner und Starkregen. So manches Mal drohte `Land unter` auf der Terrasse direkt vor dem Büro der Grünen-Kreistagsfraktion", schreibt deren Geschäftsführerin. "Seit vielen Jahren bin ich hier tätig, aber an solche Starkregen kann ich mich nicht erinnern. Es macht mir Angst." Natürlich ohne jeden meteorologischen Beleg.

Mit der gleichen unfehlbaren Logik, mit der Jahrhunderte zuvor weiblicher Schadenszauber für Unwetter verantwortlich gemacht wurde, schlussfolgert die Dame: "Wir haben ihn, den Klimawandel." Das ist die Steilvorlage für den "umwelt- und klimaschutzpolitischen Sprecher" der Fraktion und für eine weitere grüne Gewissheit: "In bin mir absolut sicher, dass der Klimawandel ein Vielfaches an Rotmilanen, Uhus und Fledermäusen tötet als alle Windkraftanlagen zusammen." So steht es im Newsletter dieser Fraktion.

Diese verstörende argumentative Schlichtheit könnte man für belanglos halten, würde sie nicht von einem großen Teil der Deutschen in allen politischen Parteien geteilt. Es sind solche unfehlbaren "grünen" Überzeugungen, derentwegen immer mehr Landschaften unter die Räder kommen und die Deutschen in diesem Jahr etwa 23 Milliarden Euro für die Subventionierung erneuerbarer Energien aufbringen und dabei - ganz gegen ihr gefühltes Dafürhalten - nichts bis wenig für die Umwelt erreichen. "Der Hauruck-Ausbau der Windkraft nutzt Landbesitzern und Ökostromerzeugern, aber nicht einmal der Energiewende", titelte kürzlich das Magazin "Der Spiegel". Und das beispiellose Sterben der Arten vollzieht sich aufgrund viel banalerer Ursachen. Tatsächlich sind die wenigsten Arten in Deutschland oder in anderen Teilen der Erde wegen eines akuten Klimawandels in Gefahr.

Die Tage, an denen sich die Grünen ernsthaft mit dem Naturschutz aufgehalten haben, sollten sie dies jemals getan haben, liegen lange zurück. Für den vorgeblichen Schutz der Atmosphäre ist ihnen kaum ein Teil der Biosphäre zu schade. Die Zerstörung von Natur und Landschaft im Namen der Windenergiewirtschaft ist jedenfalls weder Natur- noch Klimaschutz. Dieser Grad an Differenziertheit überfordert offenbar. Wie zum Beweis plakatieren Bündnis90/Die Grünen zur niedersächsischen Kommunalwahl gerade diesen Slogan: "Naturschutz: Ja, Klima!"

Kommentar zum Abschlussbericht der PROGRESS-Studie - Juli 2016

Windenergieopfer Mäusebussard © Wattenrat Ostfriesland

Der Bericht zum Abschluss der so genannten "PROGRESS-Studie" ist mit Spannung erwartet worden. Fast vier Jahre lang war in 46 Windparks in vier norddeutschen Bundesländern systematisch nach an den Anlagen ums Leben gekommenen Vögeln gesucht worden. Jetzt liegt der Bericht vor. Im März hatten die im Rahmen der Studie festgestellten hohen Verluste von Mäusebussarden bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die EGE hat den Bericht kommentiert. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 124 KB), wenn Sie den Kommentar lesen möchten.

Eulen im Unterricht - Juli 2016

Stefan Brücher und Schüler © Alfons Thelen-Brücher

Eulen sind ein Evolutionsphänomen und mit ihren Supersinnen und einem mythologischen Hintergrund ein Spannung versprechendes Unterrichtsthema - umso mehr, wenn ein Mensch in der Klasse steht, der sich mit den geheimnisvollen Geschöpfen der Nacht auskennt. Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse der Freien Waldorfschule Erftstadt staunten deshalb nicht schlecht über das, was Stefan Brücher über die Eulen berichtete. Die Klasse erfuhr, was Eulen zu Eulen macht. Zwar fand der Unterricht im Klassenraum und nicht in der Natur statt. Interessant war es trotzdem. So etwa die praktischen Übungen am Spektiv, mit dem die Schüler die Zahlenkombination von Ringen ablesen konnten, die Brücher draußen postiert hatte. Ein solches Ablesen ist Teil der Arbeit eines Vogelkundlers. Auf breites Interesse stieß auch das Kinderbuch der EGE "Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz", das in der Schulbibliothek nun vermutlich der Renner ist.

Ein Leben für den Uhu - Juni 2016

Zwei Uhus © Gordana und Ralf Kistowski

In der Sendung "Drehscheibe" vom 22. Juni 2016 hat das ZDF den Einsatz von Stefan Brücher portraitiert, der seit mehr als 30 Jahren unermüdlich seine Freizeit dem Schutz der Uhus widmet. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den siebenminütigen Beitrag (28. bis 35. Minute) anschauen möchten. In diesem Jahr hat Stefan Brücher für die EGE 170 junge Eifeluhus mit Ringen der Vogelwarten Helgoland und Radolfzell versehen.

EEG-Reform verpasst - Juni 2016

Windpark © Wattenrat

Wer in den letzten Wochen auf eine durchgreifende Reform des EEG gehofft hatte, sieht sich getäuscht. Der Ausbau der Windenergie an Land wird sich fast ungebremst fortsetzen. Lediglich in einem gesetzlich definierten "Netz-Engpassgebiet" wird die Zubaumenge begrenzt. Als solches gelten Schleswig-Holstein, Niedersachsen und vielleicht Hessen. Dort wird der Ausbau auf 58% des in den Jahren 2013 bis 2015 durchschnittlichen Zubaus begrenzt. Von einer deutlich begrenzten Absenkung der gesetzlich garantierten Windstromvergütung kann aber nirgends die Rede sein.

Um die moderaten Einbußen für die Betreiber neuer Anlagen zu kompensieren, wird in einigen Bundesländern offenbar über eine Reduzierung der Ersatzzahlung nachgedacht. Die Ersatzzahlung ist eine Naturschutzabgabe, die die Betreiber für die mit ihren Anlagen verbundenen Landschaftsbildschäden (wie andere Verursacher schwerer Landschaftseingriffe) einmalig entrichten müssen. Aus dieser Abgabe werden Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege finanziert. Gut möglich, dass Anlagenbetreiber künftig hierfür noch weniger zahlen müssen. Natur und Landschaft sind dann einmal mehr Opfer der Energiewende.

In jedem Fall wird den Anlagenbetreibern weiterhin auch für den Strom gezahlt, der wegen der Überfüllung der Netze gar nicht abtransportiert werden kann. Das ist Plan-, keine Marktwirtschaft, schon gar keine soziale. Wie sagte Angela Merkel 2004: "Auf die Dauer gibt es so viele Profiteure der Windenergie, dass Sie keine Mehrheiten mehr finden, um das noch einzuschränken." Allerdings sind es so viele Profiteuer nicht, es ist eine ungeheuer einflussreiche Minderheit. Ihr Arm reicht wie Jahrzehnte zuvor der Filz der Atomwirtschaft in Staatskanzleien und Länderministerien, ganz gleich, welche Partei dort das Sagen hat. Den seit Jahren jenseits der Deckungskosten zu Spottpreisen wirtschaftenden Milchbauern würde man ein Quäntchen dieses Einflusses wünschen. Dort soll der Markt es richten.

Die Gewinne der Wenigen zahlt der Stromkunde mit jeder Stromrechnung obendrauf. Über dieses milliardeneuroschwere Opfer ließe sich reden, wäre mit dieser Art Energiewende etwas für das Klima gewonnen. Davon indessen kann keine Rede sein. Natur und Umwelt, welche die Windenergiewirtschaft zu schützen vorgibt, interessieren die Branche keinen Deut. Die Chance für eine Reform des EEG wurde erneut vertan. Den Grund ließ Energieminister Sigmar Gabriel die Öffentlichkeit bereits 2014 wissen: "In diesem Bereich sind unheimlich viele unterwegs, die ihr Eigeninteresse zum Gemeinwohl erklären." Weiter so Deutschland - mit Unterstützung von Umweltverbänden, die von der Windenergiewirtschaft kaum unterscheidbar sind und von einer Lebenslüge nicht lassen wollen.

Wie das Ausland die Energiewende der Deutschen und die jüngste Reform des EEG bewertet, zeigt exemplarisch der Bericht der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Juni 2016. Klicken Sie bitte hier, wenn Sie den Beitrag lesen möchten.

Sperlings- und Rauhfußkäuze nördlich von Hannover - Juni 2016

Rauhfußkauz © Gordana und Ralf Kistowski

Keine halbe Autostunde nördlich von Hannover entfernt leben in den Fuhrberger Wäldern Rauhfuß- und Sperlingskäuze. Bester Kenner der dortigen Vorkommen dieser beiden waldbewohnenden Arten ist Ludwig Uphues. Der 77jährige Eulenfachmann hat sich vierzig Jahre lang mit beiden Arten befasst und zusammen mit Helfern in diesem Landstrich allein zweitausend Rauhfußkäuze zu wissenschaftlichen Zwecken gekennzeichnet. Vor 12 Jahren brüteten in dem Gebiet zwischen Hannover und Celle 48 Paare Rauhfußkäuze. Uphues hat insbesondere viel über die Biologie des Rauhfußkauzes herausgefunden.

Den Käuzen mangelt es in den Wirtschaftswäldern an Naturhöhlen. Künstliche Nisthilfen, die auch nur vom Rauhfußkauz angenommen werden, stellen bestenfalls eine Notlösung dar. Gerade der Rauhfußkauz ist auf ein großes Höhlenangebot angewiesen. Er wechselt nämlich die Höhlen, bevor sich der Baummarder auf sie einstellt. Die Käuze scheinen sich zu sagen, brüte in keiner Höhle ein zweites Mal. Uphues beklagt eine Forstwirtschaft, die Bäume schlägt, bevor sie vom Schwarzspecht zum Höhlenbau überhaupt in Frage kommen. Rauhfuß- und Sperlingskauz sind Nachmieter in Spechthöhlen.

Was ist von einer solchen Forstwirtschaft zu halten? Keine andere Landnutzung nimmt für sich in Selbstdarstellung und Selbstverständnis in Anspruch, bereits aus sich selbst heraus so sehr dem Naturschutz zu dienen, ja Naturschutz zu sein, wie die Forstwirtschaft. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit gilt auch und gerade im Staats- und Kommunalwald. Dabei sollen bei der Bewirtschaftung von Flächen im öffentlichen Eigentum die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in besonderer Weise berücksichtigt werden. Dies verlangt § 2 Abs. 4 des Bundesnaturschutzgesetzes, das in diesem Jahr 40 Jahre alt wird.

EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer hatte Ehre und Vergnügen, von Ludwig Uphues in die Fuhrberger Wälder nördlich von Hannover geführt auf Sperlings- und Rauhfußkäuze zu treffen. In einem Nistkasten saß ein Rauhfußkauzweibchen auf vier Eiern. An einer anderen Stelle machten sich in der Höhle einer Kiefer hungrige Sperlingskauzjunge bettelnd und die Köpfchen aus der Öffnung reckend bemerkbar. Einen Tag später gelang es Ludwig Uphues, das Weibchen zu beringen und einen der Jungvögel dazu. Für den eher nur am Schreibtisch tätigen Geschäftsführer der EGE war es eine beeindruckende Begegnung - nicht nur mit Käuzen, Mücken und Zecken, sondern auch mit dem verdienten Waldeulenschützer Ludwig Uphues.

Sperlingskauz © Rosl Rößner

Eine gute Nachricht (nicht für Füchse) - Mai 2016

Steinbruchbetreiber haben zumeist "hartes“ im Sinn; aber oft auch ein Herz für Uhus. Jedenfalls hat die EGE schon vielen Personen aus dieser Branche mit Erfolg den Schutz der Uhus ans Herz gelegt. Martin Röser von den Trasswerken Meurin in der Eifel beispielsweise kennt "seine" Steinbruchuhus schon seit Jahren ganz genau. Seither ist er bemüht, den Abbau uhufreundlich zu organisieren. Kürzlich fand Martin Röver einen nur zwei Wochen alten Uhu, der offenbar aus dem Fels gefallen in eine tiefe Fahrspur geraten war. Martin Röser barg den hungrigen, aber unverletzten Vogel und benachrichtigte die EGE. Notversorgt mit einem am Straßenrand tot aufgefundenen Kaninchen und nach zwei Tagen intensiver Betreuung wurde der kleine Uhu wieder zu seinen beiden Geschwistern ins Nest gebracht. Hier lag, wie so oft in diesen Tagen, ein junger Fuchs als Nahrungsreserve. Bei der Beringung junger Uhus Mitte Mai fand Stefan Brücher an drei von fünf Uhubrutplätzen junge Füchse als Vorrat.

Windenergiewirtschaft setzt Sperrfeuer gegen Naturschutz fort - Mai 2016

Rotmilan © Rosl Rößner

Die Windenergiewirtschaft in Deutschland setzt ihr Sperrfeuer gegen die Abstandsempfehlungen der Vogelschutzwarten fort. Die Zerstörungen der Nester und die Vergrämung von Arten, die den Ausbau der Windenergiewirtschaft rechtlich begrenzen könnten, entwickeln sich zu einem bundesweiten Phänomen. In dieses Bild fügen sich die Aktivitäten eines Schweizer Ingenieurs und dessen steile These, der Konflikt zwischen Windenergie und Rotmilan sei ein Scheinkonflikt. In der aktuellen Ausgabe 5/2016 der Zeitschrift "Der Falke" hat Thomas Krumenacker diesen "Angriff der Windlobby auf den Artenschutz" dankenswerterweise als fragwürdiges Unterfangen ohne wissenschaftliche Basis mit deutlichen Worten entlarvt.

In Fachzeitschriften des Naturschutzes und der Landschaftspflege ist eine kritische Berichterstattung über die Negativbilanz der Windenergiewirtschaft in Gestalt getöteter Wildtiere, ruinierter Landschaften und über die Machenschaften der Branche eher selten. Zweifel an der Vereinbarkeit von Windenergie und Artenschutz sind nicht opportun, auch dann nicht, wenn sich diese Vereinbarkeit als Fiktion oder Lebenslüge herausstellt. Am Bild von den edlen Motiven der Branche, das nie stimmte, soll nicht gekratzt werden.

Positiv sticht immerhin die Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in der Ausgabe 4/2016 der Zeitschrift "Natur und Landschaft" zu einer Studie der Fachangentur Windenergie an Land heraus. Bei dieser Studie handelt es sich um einen Katalog von "Vermeidungsmaßnahmen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen". In der Stellungnahme warnt das BfN ausdrücklich vor den Schlussfolgerungen dieser Studie und weist sie zu einem beträchtlichen Teil als verharmlosend, leichtfertig und unbegründet zurück. Die Fachagentur Windenergie an Land ist eine Lobbyvereinigung der Windenergiewirtschaft mit Beteiligung von Umweltverbänden. Bereits im November 2015 hat die EGE denselben Katalog als fragwürdig zurückgewiesen. Ein halbes Jahr nach der EGE-Stellungnahme macht sich also mit demselben Tenor auch das BfN bemerkbar, was immerhin erfreulich ist. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 112 KB), wenn Sie die Stellungnahme der EGE lesen möchten.

Unterdessen demonstriert der BUND Hand in Hand mit dem Bundesverband Windenergie (BWE) gegen Initiativen der Bundesregierung, die den Ausbau der Windenergiewirtschaft wenigstens etwas zu limitieren versucht.

Grüne im Glashaus - Mai 2016

Verkehrsopfer Waldohreule © Eberhard Giese

Gewiss, Vögel sterben nicht nur an Windenergieanlagen, sondern auch an verspiegelten und verglasten Fassaden, an Stromleitungen, in Stacheldrähten oder sie kollidieren mit dem Schienen- oder Straßenverkehr - so wie diese Waldohreule im Bild. Es gehört zu den beliebten Strategien der für die kollateralen Verluste jeweils Verantwortlichen auf die von anderen verursachten Verluste umso engagierter hinzuweisen nach dem ewig gleichen Muster, andere verursachen doch auch oder gar viel größere Verluste.

Tatsächlich ist es aber so, dass sich alle diese Verluste addieren und mit dem Verweis auf die vielen anderen Verlustursachen nichts gewonnen ist - außer fürs Täuschen der Öffentlichkeit oder das eigene Image, nichts aber für den Schutz der Vögel.

Wenn Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, wie kürzlich geschehen, die Vogelverluste an Glasfassaden als Politikfeld entdecken und auf Abhilfe drängen, ist das durchaus respektabel, aber es wäre ein untauglicher Versuch, darüber die Verluste an Windenergieanlagen marginalisieren zu wollen. Hat man jemals davon gehört, dass Bündnisgrüne den Kollisionsopfern an Windenergieanlagen eine vergleichbare Relevanz beigemessen hätten? Gerade auf diesem Gebiet wird zu gern mit zweierlei Maß gemessen.

Am Morgen vorgelesen - Mai 2016

Aufgeschlagenes EGE-Kinderbuch © Heinz-Wolfgang Schwarz

137 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Algermissen im niedersächsischen Landkreis Hildesheim lauschten kürzlich Geschichten aus dem EGE-Kinder- und Jugendbuch "Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz". Die von Edmund Deppe vorgelesenen Episoden aus diesem Buch fanden bei den Jungen und Mädchen lebhaften Anklang. Anschließend erklärte der Autor der Geschichten, Wilhelm Breuer, dem jungen Publikum auf anschauliche Weise die Supersinne der Eulen und was Eulen zu Eulen macht. Zum Schluss gab es für die jungen Zuhörer Eulenaufkleber und -poster sowie für die Schulbibliothek zwei EGE-Kinderbücher.

Die EGE dankt den Lehrerinnen der Grundschule Algermissen sowie Herrn Edmund Deppe für die Idee, die auch an anderen Schulen Schule machen könnte: "Wo die Eule schläft" - eine Lesung für aufgeweckte Schülerinnen und Schüler.

10 Gebote zum Artenschutzrecht - Mai 2016

Waldkauz © Gordana und Ralf Kistowski

EGE-Geschäftsführer Wilhelm Breuer ist im Verbandsnaturschutz ebenso zuhause wie im behördlichen Naturschutz. Aus dieser Innenansicht heraus spricht er Personen in Gutachterbüros, Naturschutzbehörden und -vereinigungen ins Gewissen, die artenschutzrechtlichen Verbote des § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes nicht zu marginalisieren, sondern mit diesen Vorschriften den Arten zum gesetzlichen Schutz zu verhelfen. Für die EGE und die Kenner der Materie hat Breuer die hierfür notwendige Haltung und Herangehensweise in zehn Geboten zusammengefasst. Klicken Sie bitte hier (pdf-Datei, ca. 170 KB), wenn Sie diese Gebote lesen möchten.

Steinkauz-Rollups im Kreishaus Düren - Mai 2016

Steinkauz © Rosl Rößner

"Den Steinkauz im Dorf lassen" lautet der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 31. Mai 2016 im Foyer des Kreishauses Düren zu sehen ist. Konzipiert wurden die sieben Schaubanner von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE e.V.) mit Sitz in Bad Münstereifel. Mit der Ausstellung soll auf die Eulenart und ihren Lebensraum aufmerksam gemacht sowie für den Schutz des Vogels geworben werden.

Im nordrhein-westfälischen Kreis Düren gab es im letzten Jahr mindestens 154 von Steinkäuzen besiedelte Reviere. 85 Steinkauzpaare brüteten erfolgreich. Aus diesen Bruten gingen über 291 Jungvögel hervor. Diese erfreulich hohe Zahl ist vor allem Doris Siehoff zu verdanken. Im Auftrag der EGE beobachtet sie die Entwicklung des Steinkauzbestandes im Kreis Düren. Die EGE betreibt mit dem Aufhängen und Warten künstlicher Nistkästen so etwas wie ein "Wohnungsbauprogramm" für den Steinkauz und wirbt bei Städten, Gemeinden und Landwirten für den Schutz dieser einst weit verbreiteten Eulenart.

Die Ausstellung soll auf Reisen gehen. In Rathäusern, Sparkassenfilialen und landwirtschaftlichen Einrichtungen soll sie auf den Schutz des Steinkauzes aufmerksam machen. Wer die Ausstellung buchen möchte, kann sich mit der EGE in Verbindung setzen.

Mit Andreas Kieling durch die Eifel - Mai 2016

Plakat zur Veranstaltung

Am 04. Mai 2016 berichtet Andreas Kieling über "seine wilde Eifel" (pdf-Datei, ca. 468 KB) und gewiss auch über Uhus. Denn nirgends in Europa leben so viele Uhus wie in der Eifel. Die EGE hält für Sie an diesem Abend das EGE-Kinder- und Jugendbuch "Wo die Eule schläft. Abenteuer Naturschutz" bereit. Die EGE erbittet an diesem Abend für ein Buch eine Spende von 10 Euro.

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