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Penteriani, V. (2003): Breeding density affects the honesty of bird vocal displays as possible indicators of male/territory quality. - Ibis 145: E127-E135

Im Rahmen der Evolutionsforschung ist die sexuelle Selektion, obwohl bereits von Charles Darwin als bedeutende Größe in der Evolution erkannt, lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt worden. Stattdessen stand die natürliche Selektion im Mittelpunkt des Interesses und galt als treibende Kraft der Evolution. Inzwischen ist die enorme Bedeutung der sexuellen Selektion und deren Zusammenhang zu Paarungssystemen und Investition in die Jungenaufzucht erkannt und Ziel zahlreicher Untersuchungen.

Bei Vögeln spielen Gesänge für die Balz und Territorialität eine große Rolle; ein Thema, dem sich vermehrt auch Eulenfreaks widmen. Zwischen 1997 und 1999 untersuchte Penteriani an 17 Uhuvorkommen im Luberon-Massiv die abendliche Gesangsaktivität der Männchen (Dauer der Rufperiode, Anzahl Rufe u. A.) und ermittelte deren Brutbeginn und den Reproduktionserfolg. Neun der Vorkommen befanden sich in einem Bereich mit hoher (31,6 Brutpaare / 100 km), der Rest in einem Raum geringerer Siedlungsdichte (19,6 Brutpaare / 100 km). Mit multivariaten statistischen Analysen überprüfte der Autor die Zusammenhänge zwischen der Gesangsaktivität und folgenden Parametern: verschiedenen Habitateigenschaften, Siedlungsdichte, Nahrungswahl und Reproduktionserfolg.Die Gesangsaktivität war im dicht besiedelten Gebiet deutlich positiv mit der Entfernung zum nächsten Nachbarvorkommen und ebenfalls positiv mit dem Reproduktionserfolg korreliert; dies galt jedoch nicht für das Gebiet geringerer Siedlungsdichte. Die beiden Gebiete unterschieden sich nicht hinsichtlich Reproduktionserfolg, Nahrungszusammensetzung und Habitatparametern.

Der Autor schließt aus den Ergebnissen, dass Dichteeffekte den Informationsgehalt des Gesangs hinsichtlich der Qualität des Männchens und/oder seines Reviers verschleiern. Nur in extremen Dichtesituationen mit starker Konkurrenz sind die Männchen gezwungen durch intensives (und vermutlich kostspieliges, da zeitaufwändiges) Singen von ihren Qualitäten zu überzeugen. Bei geringerer Siedlungsdichte haben Männchen eine derartige Investition in die Balz nicht nötig, an den Gesängen ist die Qualität der Männchen bzw. ihrer Territorien dementsprechend nicht erkennbar. Indes ist damit bei weitem die Funktion der Gesänge nicht geklärt. Eine die Weibchen umwerbende Funktion darf nicht per se angenommen werden, zumal die Männchen auch intensiv dann rufen, wenn sie schon verpaart sind.

Lutz Dalbeck


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