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Presseinformation 06/2005

Eifel-Uhus erfolgreich wie noch nie

1960 war der Uhu in den meisten Teilen Europas ausgerottet, auch in Deutschland. Nur in schwer zugänglichen Gegenden hatten sich Uhus retten können - nicht mehr als dreißig oder vierzig Paare buchstäblich weitab vom Schuss. Jahrhunderte lang war der Uhu wie Wolf, Bär und Luchs als "Raubzeug" verfolgt worden. Das Reichsnaturschutzgesetz schützte zwar den Uhu seit 1935 vor weiterer Verfolgung, der Schutz kam aber zu spät. Es gab längst zu wenig Uhus, um den Aussterbeprozess noch aufhalten zu können. Schon auf natürliche Weise starben mehr Uhus als geboren wurden.

Heute leben zwischen Holsteinischer Schweiz und Alpen, Eifel und Elbsandsteingebirge wieder schätzungsweise 1.000 Uhupaare. Der Uhu ist Vogel des Jahres 2005. Eine Wahl, die an eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte erinnert und dem Uhu zu mehr Schutz verhelfen sollte.

Dem Schutz des Uhus hat sich die in Heimbach/Eifel ansässige Europäische Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) verschrieben. Sie startete vor über 40 Jahren ein großes Hilfsprogramm für den Uhu, der damals unmittelbar auszusterben drohte. Die EGE bereitete die in Zoologischen Gärten ganz Europas geborenen Uhus auf das Leben in freier Wildbahn vor, gewann dem Uhu Freunde in Politik, Öffentlichkeit und unter Jägern. Jährlich gab die EGE mehr als 100 Uhus der Natur zurück - fast 30 Jahre lang, insgesamt 3.000 Uhus.

Heute ist der Uhu in viele Landschaften Deutschlands zurückgekehrt. Aber nirgends leben so viele Uhus auf so wenig Fläche wie in der Eifel. Nicht grundlos ist in der Eifel auch der Sitz der EGE. Das kleine Mittelgebirge zwischen Rhein, Mosel und Ardennen beherbergt so viele Uhus wie sonst nur ganze Bundesländer. Dass der Uhu auch in der Eifel verfolgt wurde und schließlich ganz verschwand, scheint heute beinahe vergessen:

In der Eifel haben in den vergangenen 35 Jahren 2.400 Uhus das Licht der Welt erblickt - mehr als sich in der Eifel ansiedeln konnten. Deshalb eroberten die Uhus von hieraus die bis dahin verwaisten Gebiete in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Ostfrankreich und den Beneluxstaaten.

Der Uhubestand in der Eifel steht seit vierzig Jahren unter der wissenschaftlichen Beobachtung der EGE. Die Ergebnisse aus der Brutsaison 2005 hat die EGE jetzt bekannt gegeben: 2005 ist das bislang erfolgreichste Jahr in der Geschichte wieder angesiedelter Eifel-Uhus. Von 103 Uhupaaren brüteten 82 Paare erfolgreich und zogen 201 Junge auf.

Allerdings sind die Aussichten für Deutschlands Uhus nicht ungetrübt: Längst nicht alle gefährlichen Mittelspannungsmasten sind so umgerüstet, dass Uhus vor Stromschlag sicher sind. Mit einer Flügelspannweite von 1,80 m stellen sie leicht die kürzeste Verbindung zwischen Plus und Minus dar - mit tödlichem Ausgang. Straßen- und Schienenverkehr bedroht Uhus, weil sie leicht vom rasenden Verkehr erfasst werden. Mit dem Vordringen von Windenergieanlagen in Uhulebensräume wächst die Gefahr für Uhus, auch mit den Rotoren zu kollidieren. Drei tote Uhus fand die EGE allein in zwei Windparks in der Eifel in einem einzigen Jahr. Hinzu kommen massive Störungen durch Klettersport und andere Freizeitaktivitäten. Ein Fünftel der 103 in diesem Frühjahr in der Eifel festgestellten Uhupaare scheiterte an diesen Gefahren.

EGE-Geschäftsführer Wilhelm Bergerhausen: "Die Lebensräume, die für den Schutz des Uhus oder auch anderer gefährdeter Vogelarten besonders wichtig sind, müssen endlich vor Zerstörungen und Störungen geschützt und als Europäische Vogelschutzgebiete geschützt werden - eine bis heute weitgehend unerfüllte Pflicht der Bundesländer." Die Landesregierungen seien nun am Zuge, solche Gebiete einzurichten. "Wann, wenn nicht im Jahr des Uhus 2005?" - fragt Bergerhausen.

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