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Zehn Gebote für Steinkauzschützer in der Bauleitplanung

Auszug aus: Breuer, Wilhelm (1996): Rechtsschutz für Steinkäuze - Von der Verantwortung der Städte und Gemeinden für Natur und Landschaft in der Bauleitplanung. Eulen-Rundblick Nr. 44

1. Gebot: Begleiten Sie die Bauleitplanung Ihrer Gemeinde kritisch, kompetent und konstruktiv. An der Bauleitplanung kann sich jeder Bürger beteiligen. Achten Sie also auf die öffentlichen Bekanntmachungen, und nehmen Sie Ihre Beteiligungsrechte wahr - für die öffentliche Sache des Naturschutzes.

2. Gebot: Bemühen Sie sich um rechtliche Kenntnisse. Baugesetzbuch und Bauleitplanung sind kompliziert. Sie müssen nicht selbst alles wissen und können, aber Sie sollten jemanden kennen, der von der Sache genügend versteht und Ihnen hilft.

3. Gebot: Beobachten, erfassen und dokumentieren Sie alle Steinkauzlebensräume in Ihrer Gemeinde. Informationen über Steinkauzvorkommen müssen in der Bauleitplanung berücksichtigt werden. Sie müssen sogar von der Gemeinde selbst ermittelt werden, wenn es Anhaltspunkte für das Vorkommen von Steinkäuzen gibt, die von der Planung betroffen sein könnten.

4. Gebot: Tun Sie alles, um die Steinkauzlebensräume in Ihrer Gemeinde dauerhaft zu schützen. Obstbaumweiden und Kopfbaum bestandenes Grünland sind es wert, als Geschützte Landschaftsbestandteile, Landschafts- oder Naturschutzgebiete besonders geschützt zu werden. Drängen Sie die staatlichen Stellen auf diese Unterschutzstellung. Das ist der sicherste Weg, Steinkauzlebensräume vor der Ausweisung als Bauland zu schützen. Wo dies nicht zu erreichen ist, sollten die Naturschutzverbände Grundstücke erwerben. Dies kann bei späteren Entscheidungen dem Naturschutz das notwendige Gewicht verleihen, denn Ankauf ist die beste Verteidigung.

5. Gebot: Machen Sie die Kommunalpolitiker zu Freunden des Naturschutzes oder wenigstens den, den Sie wählen. Dar Naturschutz hat immer noch weniger Freunde als er glaubt und verdient. Der Naturschutz aber braucht Freunde, und erbraucht sie vor allem unter Kommunalpolitikern. Erwarten Sie aber nicht, dass Ihr Kommunalpolitiker schon nach dem ersten Gespräch mit Ihnen so denkt, spricht und handelt wie Sie. Versetzen Sie sich zuerst in seine Lage, und dann werden Sie ihn am ehesten für die Sache des Naturschutzes gewinnen - hoffentlich.

6. Gebot: Organisieren Sie sich und den Naturschutz. Einigkeit macht stark. Als Naturschutzverband haben Ihre Einwendungen und Vorschläge ein größeres Gewicht uns auch die bessere Chance, von Medien, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit gehört, verstanden und berücksichtigt zu werden.

7. Gebot: Sich ergänzen, nicht kopieren; kooperieren, nicht konkurrieren. Außer gemeinsamen Zielen sollten sich Naturschutzverwaltung und Naturschutzverbände dieses Prinzip zu eigen machen. Eintreten für die gemeinsame Sache mit verteilten Aufgaben und Rollen. Unabhängige, starke Verbände, die als Lobby politischen Druck erzeugen und Spielräume schaffen. Und Naturschutzbehörden, die ihn für das Verwaltungshandeln nutzen.

8. Gebot: Bewahren Sie sich den Blick für das Ganze. Ihre Forderungen müssen nachvollziehbar und vom Gesetz gerechtfertigt sein. Verhandeln Sie, aber feilschen Sie nicht. Überzeugen Sie, aber überreden Sie nicht. Seien Sie vertrauenswürdig, nicht vertrauensselig. Seien Sie hart in der Sache, ohne unbeweglich oder dogmatisch zu sein. Weisen Sie den Vorwurf zurück, der Naturschutz verteuere das Bauen unzumutbar. Von den armen Ländern kann nicht die Erhaltung der Regenwälder und Nashörner erwartet werden, wenn in den reichen Staaten der Landverbrauch ohne Weiteres weitergeht.

9. Gebot: Stellen Sie Öffentlichkeit her, und arbeiten Sie mit den Medien zusammen. Wenn wir nicht mit einer so gefährdeten und sympathischen Art wie dem Steinkauz gewinnen, womit dann? Erlernen Sie die nicht ganz einfachen Spielregeln im Umgang mit der Öffentlichkeit. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie Rat, Verwaltung und Bürger Ihrer Gemeinde zu einer Exkursion in die Steinkauzlebensräume einladen und dort bekannt machen mit Steinkäuzen, Grünspechten und Abendseglern. Tun Sie es aber rechtzeitig vor der nächsten Änderung des Flächennutzungsplanes.

10. Gebot: Lassen Sie sich nicht entmutigen. Auch andere Menschen in anderen Berufen kennen Niederlagen: Seelsorger, Sozialarbeiterinnen, Bewährungshelfer und Ärztinnen. Erfolge oder Misserfolge des Naturschutzes liegen nicht nur, aber auch, an uns selbst.


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